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Gesangs-Technik:
Ich versuche hier nicht schnell eine Technik zu erläutern, denn aufgrund meiner Erfahrungen mit verschiedensten, und auch teils gegensätzlichen, Gesangsstilen wäre diese Aufgabe viel zu komplex, um sie hier in ein paar Sätzen abhandeln zu können.
Vielmehr werde ich auf Grundlegende Stimmfunktionen eingehen, die notwendigerweise gut bekannt sein sollten, um in der Gesangspraxis Anwendung zu finden.

Vorab ist es mir wichtig klarzustellen, dass jeder Sänger seine eigene, individuelle Stimme von Gott geschenkt bekommen hat, und es das Ziel einer Sängerausbildung sein sollte, herauszufinden, mit welchem Stil man sich am wohlsten fühlt und was zur eigenen Stimme und Persönlichkeit passt.
Einen anderen Sänger nur zu 'kopieren' gelingt selten gut und ist Verschwendung Deines Potentials!

Grundsätzlich unterscheidet man beim Stimmgebrauch zwischen modal und Falsett. Das Falsett ist eine Pfeifffunktion der Stimmlippen. Technisch gesehen berühren sich die Stimmlippen hier nicht und es entstehen auch periodischen Schwingungen durch Luftverwirbelung. Klanglich lässt sich ein gestütztes Falsett zwar in Dynamik und Bereich bedingt ausbauen, wird aber immer luftig und "disconnected" klingen. Die modalen Stimmfunktionen haben periodische Schwingungsmuster und lassen sich noch in folgende Kategorien unterteilen:
Vollstimmfunktion/ Bruststimme Bei der Vollstimmfunktion schwingen die Stimmlippen vollständig. Der Begriff "Bruststimme" wird häufig äquivalent verwendet, wobei dies eigentlich nur eine Aussage über die Resonanz und nicht über die physische Aktivität der Stimmlippen trifft.
Vielen Sängern passiert es, dass sie versuchen den ganzen Stimmumfang mit der Vollstimmfunktion abzudecken, und sich somit den oberen Bereich ihrer Stimme verbauen.
Die Anwendung des dominiert vollstimmlichen Singens findet man beispielsweise häufig in Musicals, Popmusik, ...
Randstimmfunktion/ Kopfstimme An dieser Stelle ist es zunächst notwendig den Begriff "Kopfstimme" zu klären. Die Mehrheit versteht unter "Kopfstimme" das, was in Wirklichkeit das Falsett ist. Ein ungeübter oder falsch trainierter Sänger wird in der Höhe, sofern er nicht die Vollstimmfunktion nach oben mitnimmt, ins Falsett ausweichen. Hier kommt es zwangläufig zu einem sehr großen, deutlich hörbaren Bruch, da sich das komplette Schwingungsverhalten der Stimmlippen von modal auf Falsett ändert. Die eigentliche Kopfstimme ist aber ein periodisches Schwingverhalten der Randbereiche der Stimmlippen und wird somit auch Randstimmfunktion genannt. Zwar kommt es zwischen Vollstimm- und Randstimmfunktion auch zu einem Bruch, der aber merklich geringer ausfällt und sich durch korrekte Atemtechnik und übung auf ein Minimum reduzieren lässt. Der Idealfall ist eine "Mixed Voice", bei der der Vollstimme zum Passagio hin immer mehr Randstimmanteile beigemischt werden. Man erreicht dies z.B. durch o- und u- Färbung der Vokale zum Passagio hin. Je nach Stimmfach vollzieht sich der Bruch zwischen den beiden Stimmfunktionen beim Bariton ca. um d1 herum, während der Tenor ca. e1-f1 mühelos vollstimmlich singen kann.
Fistelstimmfunktion Die Fistelstimme ist eine anatomisch bedingte Funktion, die Frauen haben, Männer aber nicht haben müssen. Bässe und Baritone haben sie wahrscheinlicher als ein Tenor.
Bei der Fistelstimmfunktion handelt sich auch um eine Stimmfunktion mit periodischem Schwingmuster. Frauenstimmen gehen in diese Funktion für Töne, die überhalb ihrer Kopfstimme liegen. Ebenso Sänger können, sofern sie anatomisch das Potenzial dazu haben, oberhalb ihrer Kopfstimme in das Fistelstimmregister wechseln. So kann ein Bariton beispielsweise, dessen Kopfstimme schätzungsweise bis b1 reicht, nach oben hin vielleicht bis g2 oder a2 singen.
Contertenöre wie Andreas Scholl, Jochen Kowalski oder Sopranisten wie Jörg Waschinski nutzen die Fistelstimmfunktion.
Tonbeispiele füge ich absichtlich hier nicht ein, da ein reines Nachempfinden nach Klang und Gehör ohne die richtige Atemtechnik, Ansatz, Stütze, etc. mehr Unfug anrichten kann als dass es helfen.
In jedem Fall sollte ein Gesangslehrer die anhand von Beispielen und übungen praktisch vermitteln. Er/Sie hat so die Chance sofort zu korrigieren und bei Schwierigkeiten Hilfestellung zu leisten.