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Into the Unknown:
Idee
Into the Unknown ist die Überarbeitung einer fiktiven Geschichte, die ich in der Grundschule angefangen habe und mit 14 Jahren weiterschrieb. Ursprünglicher Titel war Reise ins Unbekannte.
Ich erzähle rückblickend meine Erlebnisse als Lieutenant Commander an Bord eines der Flaggschiffe der neuen Allianz. Ungefähre Zeit der Handlung ist Mitte des 21. Jahrhunderts: Die Welt wird regiert von den großen Konzernen, die im Laufe des 21. Jahrhunderts großes im Bereich der Medizin bewirkten. Ebenso investierten diese Konzerne zunehmend in die Forschung der bemannten Raumfahrt um eine Lösung für die Weltüberbevölkerung zu finden. Schon seit einigen Jahrzehnten siedeln Menschen in allen Teilen dieser Galaxis...

Viel Spaß beim Lesen!
Textauszug:
Kapitel 2
-- 2 --


Innerlich war ich voller Neugier was diesen Planeten betraf.
Von meinem spärlich eingerichteten Quartier aus konnte ich beobachten, wie sich eine unserer Fähren vom Dock löste, und langsam in Richtung Planet schwebte. Der General hatte ein Team Alpha für diese Mission zusammengestellt.
Niemand von uns wußte zu diesem Zeitpunkt, was man dort unten vorfinden würde, und ob die klimatischen Verhältnisse und die Strahlung es wirklich erlaubten, dass unser Team dort ohne Sauerstoffmaske atmen konnte, wie es uns die Sensoren der Forschungssonde versprochen hatte.
All die Antworten auf unsere Fragen solten sich innerhalb der darauffolgenden Stunden klären.

Ich beobachtete wie zwei der Monde scheinbar fast kollidierten als sie in unterschiedlichen Geschwindigkeiten ihre Kreise um den Planeten zogen. Wahrscheinlich schnitten sich die Bahnen der Monde schon seit Jahrtausenden und alle flogen ihre Wege, ohne dass sie sich jemals berührten, dachte ich, und überlegte wieviele ähnliche Erscheinungsbilder es wohl noch in den scheinbar unendlichen Weiten des Alls geben mochte.
Es kam mir plötzlich lächerlich vor, dass manche Menschen tatsächlich glaubten, das ganze Universum und alles Leben seien lediglich durch einen glücklichen Zufall entstanden.
Ich betrachtete das bronzene Modell der Planetenkonstellation unseres Sonnensystems, das auf meinem kleinen grauen Schreibtisch stand. Das erinnerte mich an
...Mike...! Sabacc! - ich schaute auf die Uhr und wurde auf einmal wach. Es war schon viertel vor elf, ich hatte den Sabacc-Spiel-Abend mit Mike und Chief Officer McNeil völlig vergessen. Hastig nahm ich meine Spielkarten und eilte zum Lift.
Mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit würde Mike gleich wieder einen von seinen Sprüchen reißen, wenn er mich auf meine Verspätung aufmerksam machte... Viel zu lange dauerte die Fahrt.
Endlich öffnete sich die Tür, und ich betrat den großen, saalähnlichen Freizeitraum mit einer Bar, vielen runden Tischen mit Stühlen darumherum und einer großen Fensterwand zu den Sternen. Der ganze Raum war in hellem Marmor gehalten, und war schon rein optisch eine willkommene Abwechslung zu allen anderen Versammlungsräumen des Schiffs. Um die Bar herum, und an ein paar der acht runden Tische saßen Männer und einige Frauen in Zivilkleidung. In einer Ecke, neben dem 3-D-Bild eines Terrariums mit seltsam aussehenden Tierchen, saßen Mike und Chief Officer McNeil. Mit den Worten:
»Hallo, bin ich zu spät?« begrüßte ich die beiden.
Mike entgegnete darauf hin nur: »Nö, die zwanzig Minuten fallen kaum auf, ich hatte ohnehin gerade die Zeit angehalten...«
Erleichtert, dass mir niemand böse war setzte ich mich, und bestellte einen heißen Calimaro, ein bläuliches, süßes Getränk mit Obststückchen und Trinkhalm. Getränke dieser Gattung hören sich interessanter an, als sie wirklich schmecken. Wie man sich denken kann, ist der Konsum von alkoholischen Getränken an Bord eines Dienstschiffs der neuen Allianz strengstens untersagt. Auch in der Freizeit, versteht sich. Nicht, dass ich ein kühles, gutes Bier vermisst hätte, aber ich war trotzdem der Auffassung, dass diese Getränke Stimmung und Gesellschaft an Bord gefördert hätten, was die insgesamt sehr distanzierte und kühle Stimmung etwas hätte auftauen können.
Mike ergriff das Wort:
»Er hier«, er zeigte auf mich, »ist Marc und ich bin Mike, aber meine Freunde dürfen mich `Meister´ nennen.«
»Quatschkopf!« kommentierte ich.
»Owen« sagte Chief Officer McNeil.
Owen McNeil? Irgendwie war mir dieser Name bekannt. Hatte ich seinen Namen nur aus den Personalakten, oder war er mir aus anderer Begebenheit im Unterbewußtsein geblieben...?, dachte ich vor mich hin.
»So, nun laß uns endlich anfangen, sonst werden die Karten kalt«, unterbrach Mike meinen Gedankengang und grinste. Das war wieder einer von den Witzen, über die man lachen, aber auf gar keinen Fall nachdenken durfte.
Er hatte die Karten gemischt und begann nun auszuteilen.
»Du kennst die Regeln - Owen?«
»Klar« entgegnete er sicher.
»O.K. Wir haben da 'ne klitzekleine Änderung, damit's nicht so schnell langweilig wird zu dritt - also: Das Schwert schlägt die Krone, wenn...«
»Achtung, Achtung!« ertönte völlig unerwartet und dermaßen laut und aufdringlich eine Lautsprecherdurchsage, »Die gesamte Kommandoebene hat sich augenblicklich in der Offiziersmesse einzufinden. Ich wiederhole: Die...«
»Nein, Nein und nochmals Nein!« brüllte Mike »...nie hat man seine Ruhe!«
Ich wollte Mike aus vollem Herzen zustimmen, schließlich hatte ich gerade gute Karten, obwohl ich glaubte selbst damit nicht die größten Chancen gegen sein trickreiches Spiel gehabt zu haben. Nicht, dass ich ihm jemals Betrug unterstellt hätte, aber das Spiel war schon immer eine seiner Stärken gewesen.
Außerdem konnte mir sicherlich auch besseres vorstellen, als in meiner ‚Freizeit’ die Phrasen des Generals zu hören. Dieser Mann war mir seit ein paar Tagen unsympatisch geworden. Er war ohne Zweifel die geborene Führungspersönlichkeit; überzeugendes Auftreten und ein kräftiger Händedruck waren seine Markenzeichen. Als eine Schwäche empfand ich, dass er mich und auch Mike deutlich spüren ließ, dass ER das Kommando an Bord hatte, und sich nicht von uns hereinreden ließ. Meiner Meinung nach litt dieser Mann entweder an erheblichen Minderwertigkeitskomplexen oder er mochte uns einfach nur nicht. Ich tröstete mich mit dem Gedanken, dass der kräftige Mann kantigem Gesicht und schwarzem Haar, welches korrekt zurückgekämmt seine grauen Schläfen unvorteilhaft betonte, im Bürgerkrieg einige Härten erlebt haben musste, die seine Persönlichkeit nun so kalt erschienen ließ.

Jede noch so überflüssige Besprechung wurde in der Offiziersmesse abgehalten. Sie war ein nobler, quadratischer Saal mit gläserner Dachkuppel und einem ovalen, auf Hochglanz polierten Tisch aus Edelholz, um den 12 Leute in graublauen Uniformen mit hohen Rangabzeichen saßen. In die Mitte des Tisches wurde ein Bild des Planeten, den wir gerade umkreisten, projiziert.
Die Luft in diesem Raum roch immer besonders hygienisch nach wiederaufbereitetem Sauerstoff.
Ich setzte mich auf den schwarzen Ledersessel, auf dem in ein vergoldetes Schild mein Name graviert war. Diese Namensschilder waren einem Klettverschluss auf der Rückseite ausgestattet, und konnten somit an jedem dieser Sessel, in jedem der Schiffe befestigt werden. So sollte man sich wahrscheinlich noch mehr wie ‚Zuhause’ fühlen. Ich hätte wetten können, dass einige unserer Psychologen diese Idee gehabt hatten. Zu dumm nur, dachte ich, dass niemand anders mehr den Namen lesen konnte, wenn man sich erst einmal auf den Sessel gesetzt hatte und die Schultern das Schild verdeckten.

Die Tür glitt zur Seite und der General trat eilig herein. Ich blickte in sein ernstes, sichtlich angespanntes Gesicht.
Als alle anderen ihr Schreibinventar auf den Tisch gelegt hatten, räusperte er sich kurz und begann:
»Meine Herren, es ist ihnen bekannt, dass vor nun mehr als drei Stunden eine Fähre mit dem zusammengestellten Team Alpha zur Erkundung des Planeten aufgebrochen ist. Exakt siebzehn Minuten nach dem Start landete die Fähre ... genau hier.«
Der General wies mit einem Zeigestock auf eine rot markierte Stelle im projizierten Bild.
»Team Alpha entnahm und analysierte Boden- und Luftproben mit dem Resultat, dass uns die Sensoren der Sonde nicht getäuscht haben. Der Sauerstoffgehalt der Luft ist ähnlich der unserer Erde. Sergeant Pries, der das Kommando dieser Mission hat, meldete sich alle fünfzehn Minuten. Drei der Forscher sind plötzlich spurlos verschwunden, unmittelbar nach dieser Meldung brach die visuelle Funkverbindung völlig ab... Wir müssen davon ausgehen, dass Team Alpha OFF ist.
Das, meine Herren, ist leider die Situation. Gibt es irgendwelche Anmerkungen oder Kommentare?«
Es herrschte gedämpfte Stimmung, alle schienen schockiert zu sein, niemand meldete sich oder ergriff das Wort. ‚OFF’ ist in der miliärischen Fachsprache ein Begriff für ausgeschaltet, oder sogar tot.
Ich fragte mich gerade, was für Forscher er gemeint haben könnte, denn von der Forschungsabteilung hatte niemand auf der Liste für das Team Alpha gestanden. Allerdings wollte und konnte ich nicht nachfragen, denn offiziell wußte ich gar nicht, wen der General für das Team eingeteilt hatte. Ich hatte diese Informationen von Mike, und selbst er durfte das gar nicht wissen.

Der General blickte noch einmal kurz in die Runde bevor er fortfuhr.
»Ich werde auf eigene Verantwortung noch eine Fähre starten und ein zweites Team zusammenstellen. Wir werden Team Alpha dort unten nicht im Stich lassen - Wir haben die Sache angefangen, also müssen wir sie auch bis zum Schluß durchziehen.
Ich beauftrage unsere besten Männer um zu prüfen was vorgefallen ist. Das zweite Team wird alles an Ausrüstung bekommen, das es braucht. - Gott mit Ihnen!«

Ich mußte laut schlucken als der General seine Rede beendet hatte. Ich konnte mir nicht denken, dass es Sinn machte, womöglich noch ein Team auf diesen Planeten fliegen zu lassen, das vielleicht ebenso nicht zurückkommt. Außerdem hatte dieses Schiff nicht das geeignete Personal für Search-and-Rescue-Missionen. Die meisten unserer Leute waren Diplomaten, Statistiker und andere Schreibtischgesellen, wie das auf einem Flaggschiff eben üblich war.
Ich ertappte mich dabei den Legenden vom Planeten Glauben zu schenken. Irgendetwas ist an allen Legenden wahr, sagte man immer. Dummerweise waren wir jetzt involviert und genaugenommen legte ich keinen großen Wert darauf herauszufinden was alles an dieser Legende wahr war. Auch alle anderen fingen an zu flüstern oder nachzudenken.

Der General holte tief Luft und sagte laut und deutlich:
»Nun, das zweite Team wird bestehen aus...«-
Er nahm eine buchgroße Displaytafel zur Hand. Es wurde totenstill. Ich fühlte mich wie früher in der Schule ohne Hausaufgaben, wenn der Lehrer gerade auswählte, wer denn vorlesen soll –
»Short«, Mike schaute entgeistert zu mir herüber und zuckte mit den Schultern,
»Eastwood«, ich hatte mit allem gerechnet, nur nicht damit, dass er so ranghohes Personal nach unten schickte,
»McNeil, O’Barry.«
Der General schaute sich um und wartete auf die Reaktionen der Auserwählten.

Ich hatte die Zeit nicht gestoppt, aber es dauerte keine 5 Sekunden, bis Sergeant O’Barry sich von seinem Platz erhoben hatte und fragte:
»Was wird unsere Bewaffnung sein, Sir...?«
Mike schaute mich kurz an und zog eine Grimasse. Es gab wohl keine bessere lebende Definition für 'Waffenfanatiker' als Sergeant Nicolas Paul O’Barry.
Nicht genug, dass der hochgewachsene, braungebrannte Mann mit dunklem Haar sich hervorragend mit Waffen auskannte, nein, er scheute sich auch keineswegs diese in jeder möglichen Situation einzusetzen. Er schmückte sich gern mit vielen Auszeichnungen, die er seinem überaus präzisen Umgang mit Feuerwaffen zu verdanken hatte. Mike und ich waren uns einig darüber, dass er sicherlich mit einer Waffe unter seinem Kopfkissen schlief.
»Sie werden eine zweckmäßige Ausrüstung bei ihrer Vorbereitung erhalten«, entgegnete der General und fuhr fort:
»Captain Short, ich möchte dass sie die Führung übernehmen. Lieutenent Commander Eastwood, sie werden Protokoll führen und mir bei ihrer Rückkehr ausführlich Bericht erstatten.«

Meine Begeisterung hielt sich in Grenzen. Sicherlich war ich kein Angsthase, aber mir war nicht wohl zumute bei dem Gedanken, auf diesen Planeten zu fliegen. Meine Ausbildung in Gefecht und Selbstverteidigung war Jahre her. Als Lieutenant Commander hatte ich mich vorwiegend mit Gefechten ‚am Schreibtisch’ abgegeben.
Darüberhinaus hielt ich es für einen Akt der Grausamkeit mich das Protokoll schreiben zu lassen. Wenn ich etwas haßte beim Dienst der Neuen Allianz, dann waren es Protokolle und Berichterstattungen! Es gab weitaus wichtigere Aufgaben, als sich irgendwelche wichtig klingenden Formulierungen für ein Protokoll auszudenken, nur, damit es in unseren Archiven verstaubte; aber irgendeiner mußte die ehrenvolle Aufgabe ja übernehmen. Mir schein, als wäre die Regel Nr. 1 des Protokollierens: ‚Egal ob das Team überlebt – hauptsache es ist alles ordnungsgemäß protokolliert!’
In der Tat gab es in der Protokollordnung einen Paragrafen über ‚das Versterben des Protokollführers während der Mission’.
So war es dessen Aufgabe, nach Möglichkeit noch zu vermerken: ‚ich bin angeschossen worden’, oder ‚eine Rakete fliegt gerade auf mich zu...’. Diese Verordnungen konnten für mich immer wieder mit soviel Humor, Ironie und Sarkasmus aufwarten, dass sie sämtliche Witzebücher weit übertrafen.

Durch die Glaskuppel sah ich hinaus in den Weltraum und bemerkte in einiger Entfernung einen Kometenschweif. Vielleicht waren es Trümmer eines Sterns wie diesem hier, dachte ich als mich plötzlich die Stimme des General aus meinen Gedanken riß.
»Nehmen sie noch eine Mütze voll Schlaf und bereiten sich dann sorgsam auf diese Mission vor, meine Herren. Ich sehe sie dann in exakt 6 Stunden zur Einsatzbesprechung.«
Immerhin waren wir nun schon zu viert, dieser Gedanke beruhigte mich ungemein, und schätzungsweise würde der General noch einige andere `Freiwillige´ finden, die uns begleiten sollten.

Es war einige Zeit vergangen, dass ich noch geglaubt hatte, lediglich zu einer Routinemission mit dem neuen Flaggschiff der Allianz aufzubrechen, und bei Wiederkehr nach einigen Wochen den lang ersehnten Urlaub mit meinen Freunden antreten zu können.
Und was war nun? Auf was hatte ich mich bloß eingelassen? , fragte ich mich immer wieder. »Rien ne va plus« - Es gab kein Zurück mehr.
Viele Gedanken kreisten in meinem Kopf umher und brachten mich um meinen Schlaf.
Sehr verwunderlich war, dass der General keine für Bodeneinsätze trainierte Leute für diese Mission einsetzte, sondern statt dessen Personal des Oberkommandos. Das gab doch überhaupt keinen Sinn, dachte ich. Warum sollten fünf Leute, die entweder vom Kampf keine Ahnung hatten, oder dessen praktische Ausbildung Jahre zurücklag auf einem fremden Planeten ein Rettungsmanöver versuchen, wo uns der General eigentlich an Bord für das Kommando des Schiffes benötigte.
Und warum hatte er bei der Besprechung etwas von einem Team aus Forschern gesprochen, wo doch alle Mitglieder des Team Alpha laut meinem Kenntnisstand die einzigen, für den Kampf ausgebildeten Soldaten waren.
Was bezweckte er damit?
Wahrscheinlich, und damit mußte ich mich vorerst gedanklich abfinden, gab es simple Erklärung, die zur Zeit nur noch nicht offiziell werden durfte. ......

© 2002 by Marko Osterholz